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Die Rückkehr der Sechs-Meter-Fische


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Die Rückkehr der Sechs-Meter-Fische

Beitragvon Barschkönig » Donnerstag 4. November 2010, 19:05

Deutscher Kaviar

Der Stör kehrt nach Deutschland zurück. An Elbe und Oder schafft der Mensch mit großem technischem und organisatorischem Aufwand neuen Lebensraum für den Fisch
Die Hoffnung maß 36 Zentimeter, wog 256 Gramm und trug den Namen Marion. Die mutmaßliche Stördame – das Geschlecht der Tiere lässt sich mit Augenschein nur schwer bestimmen – schwamm im September 2008 die Elbe herunter. Der gezüchtete Fisch ist einer von mittlerweile 168 Europäischen Stören, die in dem Fluss wieder angesiedelt wurden. Mittels eines implantierten Senders hefteten sich Biologen an Marions Flossen – die gesamten gut 100 Kilometer von Lenzen in Brandenburg bis nach Hamburg. Im dortigen Hafen verlor sich die Spur des Fisches.

Mit etwas Glück wird sich Marion in die Nordsee durchgeschlagen haben, den zahlreichen Fischernetzen und Angelködern entkommen und sich in etwa zwölf Jahren zu einem erwachsenen Stör entwickeln. Dann – so die Rechnung der Mitarbeiter des Projekts zur Wiedereinführung des Störs in Deutschland – wird sie gemeinsam mit einigen Artgenossen die Elbe wieder hinaufschwimmen und auf geeigneten Kiesbänken ablaichen. Der bis zu sechs Meter lange Stör wäre wieder da angekommen, wo er seit Urzeiten lebte.

Eine Fischtreppe für 20 Millionen Euro
In ganz Europa haben den Wanderern zwischen Süß- und Salzwasser Verschmutzung und Verbauung der Flüsse schwer zugesetzt. Bis auf eine kleine Restpopulation im Flusssystem der französischen Gironde sind alle Europäischen Störe weltweit verschwunden. Jetzt sollen sie in Elbe und Oder wieder heimisch werden – so das Ziel des Nationalen Aktionsplans zum Schutz und zur Erhaltung des Europäischen Störs.

Seit 1996 setzt sich Henning von Nordheim, stellvertretender Direktor der Außenstelle des Bundesamts für Naturschutz (BfN) auf der Insel Vilm, für die Rückkehr der Störe ein. „Die Wasserqualität der Flüsse hat sich enorm verbessert“, sagt der Meeresbiologe. „Das Haupthindernis in der Elbe war bislang das Stauwehr Geesthacht, etwa 140 Kilometer oberhalb der Mündung.“ Stromaufwärts überwindet es kein Fisch. Doch diesen September eröffnete dort der Energieversorger Vattenfall als einen Ausgleich für den Bau des Kohlekraftwerks Moorburg Europas größte Fischtreppe. Kosten: 20 Millionen Euro. Selbst drei Meter lange Störe können sie passieren.

Insgesamt drei bis vier Millionen Euro hat das BfN in die Rückkehr des Störs investiert. Eine geringe Summe, verglichen mit den gut 500 Millionen Euro, die von verschiedenen Stellen ausgegeben wurden oder bis 2015 noch aufzuwenden sind, um den Rhein samt Nebenflüssen zumindest teilweise wieder für wandernde Fische passierbar zu machen.

Delikatesse deutscher Kaviar?
Das Geld für den Stör fördert auch ein biologisches Kuriosum, denn in der Oder werden künftig keine Europäischen Störe schwimmen. „Dort“, so von Nordheim, „haben sich schon vor unserer Zeitrechnung, verstärkt aber seit etwa dem 12. Jahrhundert, Atlantische Störe aus Nordamerika verbreitet.“
Bis sich hierzulande eine stabile Stör-Population entwickelt, wird es lange dauern. Ob sie sich je wirtschaftlich nutzen lässt, darüber wagt von Nordheim keine Prognose. „Mir ist allerdings nicht bekannt, dass die beiden Arten wirklich schmackhaften Kaviar produzieren.“ Wenn der berühmte Kaviar aus dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer wegen dort aussterbender Störe kaum noch zu kaufen sein wird, dann, so von Nordheim, avanciert deutscher Kaviar dereinst vielleicht doch noch zur Delikatesse.
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